Das Amt Bergdorf
Geografie und Politik
Bergdorf, heute ein Stadtteil von Hamburg, war zu der Zeit, die hier betrachtet wird, ein Amt. Seit dem Mittelalter, bis in die Zeit nach der Reichsgründung 1871, waren Ämter eine gängige Verwaltungseinheit, die in ihrer Rolle den heutigen Kreisen zu vergleichen sind. Ämter gehörten zu staatlichen Einheiten, also meist zu Königs-, Herzogs oder Fürstentümern, oder wie das Amt Bergedorf zu den freien Städten Hamburg und Lübeck.
Um die besondere Situation vom Amt Bergedorf zu verstehen, muss man bis in die zwanziger Jahre des 15. Jahrhunderts zurückgehen, die Zeit der Entstehung des Hamburg-Lübeckischen Verwaltungsgebiets, dem sogenannten Beiderstädtischen Gebiet. Den beiden Hansestädten Hamburg und Lübeck war die Präsenz der Sachsen-Lauenburger auf der Burg Bergdorf ein Dorn im Auge. Es ging um Raubrittertum und nicht eingehaltene Verträge durch die Sachsen-Lauenburger, näheres kann dazu bei Wikipedia im Artikel "Geschichte Bergedorfs" nachgelesen werden.
142o wurde die Burg Bergedorf in einer militärischen Aktion von gemeinsamen Truppen Hamburgs und Lübecks eingenommen. Am 23.o8.142o wurde im Vertrag von Perleberg ein Friedensvertrag zwischen dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg und den Hansestädten Hamburg und Lübeck geschlossen. Als Ergebnis fiel das Amt Bergedorf mit den Vierlanden, der Stadt Bergedorf und Geesthacht an die beiden Hansestädte. Das Ziel Hamburgs und Lübecks, den für den Handel wichtigen Elbübergang von Zollenspieker nach Hoopte zu sichern, war damit erreicht. Das Amt Bergedorf wird in der Folgezeit bis 1868 von Hamburg und Lübeck gemeinsam verwaltet. Mit Vierlande werden die Kirchspiele Altengamme, Curslack, Kirchwerder und Neuengamme bezeichnet.
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Die zusammengepuzzelte Legende hilft die Karte zu lesen und die Flächen den Ländern zuzuordnen.
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In der Veröffentlichung "Topographie und Statistik von Lübeck und dem mit Hamburg gemeinschaftlichen Amte Bergedorf" [Behr1] von 1829 wird das Amt Bergedorf sehr treffend wie folgt beschrieben:
1. Geographie und physische Lage. Das Lübeck und Hamburg gemeinschaftlich gehörige Amt Bergedorf— zusammengesetzt aus der Stadt Bergedorf, den Vierlanden (von den vier Landschaften: Curslack, Altengamm, Neuengamm und Kirchwärder also benannt,) nebst dem Dorfe Geesthacht — besteht aus zwei Enclaven, wovon die größere die Stadt Bergedorf und die Vierlande, die kleinere aber die Feldmark Geesthacht enthält. 2. Gränzen. a. Die größere Enclave. Gegen Norden: die Herzogtümer Holstein und Lauenburg; gegen Osten: das Herzogthum Lauenburg; gegen Süden die Elbe; gegen Osten die hamburgischen Landschaften: Ochsenwärder, Reitbroock und Billwärder. |
Bevölkerungsentwicklung
Die folgenden Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung stammen ebenfalls aus dem Buch "Topographie und Statistik von Lübeck und dem mit Hamburg gemeinschaftlichen Amte Bergedorf" [Behr2], jedoch aus dem Jahr 1856.
1851 | 1824 | 1815 | ||
Stadt Bergedorf | 2577 | 2151 | 1999 | |
Altengamme | 1343 | 1207 | 1120 | |
Curslack | 1168 | 1086 | 1124 | |
Geesthacht | 1337 | 944 | 994 | |
Kirchwerder | 3314 | 3029 | 2718 | |
Neuengamme | 1724 | 1601 | 1549 | |
Zusammen: | 11481 | 10113 | 9504 |
In der obigen Tabelle sind möglicherweise ein paar Zahlen nicht konsistent, sie wurden eins zu eins aus der Quelle übernommen. Die Größenordnung sollte stimmen und erkennbar ist, das die Bevölkerung im Amt Bergedorf wuchs.
Münze, Maße und Gewichte
In Bergedorf galt die Hamburger Münze, die Guldenwährung.
- 1 Mark Hamburger Courant (=1,20 Mark Reichswährung) hatte 16 Schillinge.
Auch die dänische Währung spielte in Bergedorf wegen der direkten Nachbarschaft eine wichtige Rolle.
- 4 dänische Skilling entsprachen 1 1/4 hamburgischen Schilling, diese entsprachen
- 1 1/2 Schilling Lauenburger Währung.
Für Preußen und Hannover galten
- 1 Groschen (Neugroschen oder Silbergroschen) entsprachen 1 1/2 Hamburger Schilling.
Das Maß für die Entfernung war die Deutsche Meile (7,42 Kilometer) und das postrelevante Gewichtsmaß war das Loth.
- 1 Loth waren 16,66 Gramm, 30 Loth entsprachen 500 Gramm (= 1 Pfund).