Echtheitsmerkmale der Freimarken und
Unterscheidung der Nachdrucke
Vorbemerkung
Die beste mir bekannte Darstellung der Echtheitsmerkmale der Bergedorfer Freimarken wurde von Uwe Hohenstern in gemeinsamer Arbeit mit Jürgen Kraft erstellt und im Forum stampsX vorgestellt. Mit Erlaubnis von Jürgen Kraft, der auch der Betreiber des Forums, übernehme ich für dieses Kapitel Texte und Bilder. Erkennbar sind die Bilder an den angegebenen Bildrechten [HoKra], die Textpassagen zu diesen Bildern sind ebenfalls von dort übernommen. Uwe Hohenstern, den ich als Menschen und als Philatelisten sehr geschätzt habe und der viel zu jung gestorben ist, hat die Forenbeiträge als Benutzer "carolinus" bei stampsX eingestellt.
Die Bergdorfer Freimarken wurden im Steindruckverfahren hergestellt, das Druckverfahren wird an anderer Stelle im Handbuch vorgestellt. Hier nur folgende Kurzfassung:
1. | Von jeder Wertstufe der Freimarken wird eine Zeichnung auf einem Druckstein hergestellt | |
2. | Auf Umdruckpapier werden von jeder dieser Zeichnungen mehrere Kopien (8, 10 oder 12) erstellt | |
3. | Vom Umdruckpapier werden die Markenbilder auf den Umdruckstein übertragen. Dabei entstehen je Wertstufe Umdruckblöcke von 8, 10 oder 12 Marken | |
4. | Vom Umdruckstein werden die Umdruckblöcke wieder auf Umdruckpapier übertragen. | |
5. | Die Umdruckblöcke werden vom Umdruckpapier auf die endgültigen Drucksteine übertragen. | |
6. | Von den Drucksteinen werden die Markenbögen gedruckt |
Bei jedem Schritt dieser Herstellung der Drucksteine ergeben sich technisch bedingte kleine Abweichungen. Diese Unterschiede vererben sich von einer Stufe der Herstellung zur nächsten. Anhand von erhaltenen Bogenteilen und ganzen Markenbögen können die meisten Einzelmarken über diese Abweichungen einer Position im Umdruckblock und im Markenbogen zugeordnet werden.
Beschreibung des Markenbildes
Im Katalogteil wird das Markenbild wie folgt beschrieben: Wappen von Bergedorf (je halbes von Hamburg und Lübeck) umgeben von Kettenkreis aus 55 gleichgroßen Ringen im Schriftband-Viereck. In den Ecken des Innen-Viereck die Buchstaben L, H, P, A := Lübeck-Hamburgisches Post-Amt. In den Ecken des Schriftband-Viereck je ein Quadrat mit einer Wertziffer.
Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt vom Abzug des Ursteins, die beschrieben Elemente des Markenbildes können gut erkannt werden.
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Allgemeine Merkmale echter Marken
Der erste Blick bei der Beurteilung einer Bergedorfmarke sollte dem Kettenring und dem Wellenhintergrund gelten. Die Kreise im Kettenring sind bei den Originalen gleichmäßig rund und sauber geruckt, das Wellenmuster ist sauber ausgeprägt und ebenfalls sauber grédruckt. Auf die allermeisten Fälschungen der Bergedorfmarken trifft das nicht zu. Die beiden folgenden Bilder zeigen den Probedruck der Marke zu ½ Schilling, einmal als Original und einmal als Ganzfälschung.
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Es ist erkennbar, dass das Wellenmuster der Fälschung in allen Details nicht übereinstimmt und sich unter den Ringen des Kettenkreises jede Menge Eier befinden. Tatsächlich stimmen die Details der Fälschung an praktisch keiner Stelle mit dem Original überein, Kettenring und Wellenmuster sind aber einfacher zu überprüfen.
Bei der Bestimmung der Echtheit von Marken ist neben der Identifikation einer Fälschung fast wichtiger eine Echte Marke von den Nachdrucken von Moens unterscheiden zu können. Die (eigentlich) immer als Neudrucke bezeichneten sind keine Neudrucke, dazu hätten sie von den Drucksteinen der originalen Merken gedruckt werden müssen. Diese Steine wurden nach dem Markendruck abgeschliffen um in der Druckerei für andere Zwecke wirdeverwendet werden zu können. Jean-Baptiste Moens erwarb den originalen Urdruckstein, also den Stein mit den echten Zeichnungen der Freimarken und ließ davon für verschiedene Nachdrucke neue Drucksteine anfertigen. Es wurden Nachdrucke in den Jahren 1872, 1874, 1887 und 1888 erstellt, nicht immer von allen Wertstufen. Die folgende Tabelle zeigt, von welche Wertstufen in welchem Jahr Neudrucke produziert wurden.
1872 | 1874 | 1887 | 1888 | ||
½ Schilling | X | X | |||
1 Schilling | X | X | X | ||
1½ Schilling | X | X | |||
3 Schillinge | X | X | X | ||
4 Schillinge | X | X | X |
Da die Drucksteine der Moensschen Nachdrucke vom echten Urstein angefertigt wurden, teilen sie sich grundsätzlich die sauberen 55 Ringe des Kettenkreises und den richtigen Wellengrund mit den Originale Marken. Letztlich sie sind aber doch leicht von den Originalen zu unterscheiden. Im folgenden werden für jede Marke die Echheitsmerkmale und die Unterscheidungsmerkmale zu den Nachdrucken dargestellt.