Teil IVDie Bergedorfer Stempel der Freimarkenzeit

 

Der Strichstempel

Mit der Einführung eigener Briefmarken wurde ein neuer Stempel ausschließlich zur Entwertung der Marken eingesetzt. Die Abstempelung der Bergedorfer Freimarken erfolgte mit einem Strichstempel, der häufig zweifach, gegeneinander verdreht übereinander abgeschlagen wurde. Von diesem Stempel war nur ein Exemplar in Gebrauch.

Der Strichstempel bestand aus fünf feinen, parallel verlaufenden Stegen von jeweils ca. 19 mm Länge, die auf einer Breite von etwa 16,5 mm verteilt waren (Maße nach Krötzsch).

Ein zweiter Strichstempel befindet sich im Besitz der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Bei diesem Exemplar sind die einzelnen Leisten deutlich breiter ausgeführt, sodass Abschläge zwangsläufig erheblich breiter ausfallen müssten. Entsprechende Abschläge sind bislang nicht bekannt. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass dieser zweite Strichstempel postalisch nicht eingesetzt wurde.

 

Bgd - 2Bgd - 3Bgd -4

Beispiele für die Entwertungen mit dem Strichstempel S 7

 

 

Der Textbogenstempel

Da kein Zwang zur Freimachung mit Briefmarken bestand, wurden die meisten Briefe in Bergedorf bei der Aufgabe am Postschalter bar frankiert, oder als Portobrief aufgegeben, mit ein  Grund, warum gestempelte Marken von Bergdorf so selten sind.

Der Textbogenstempel „BERGEDORF“ mit der Katalognummer S 4c (siehe hierzu  II.3, Teil I: Postamt Bergedorf) diente auf allen Briefen als Aufgabestempel und – rückseitig angebracht – als Engangssstempel. Eine Verwendung zur Entwertung von Freimarken ist nur in sehr wenigen Ausnahmefällen belegt. Unter dem Datum – ohne Jahresangabe – trägt der Stempel die jeweilige Tour (Bestellgänge bzw. Zu- und Abgänge der Züge), bezeichnet mit I–V T.
 

 Bgd - Textbogenstemel als Aufgaestempel

Am Schalter in Bergedorf mit einem Schilling bar frankierter Brief (Rötel 1 neben frei-Vermek); Textbogenstempel
vom 7. Dezember und IV-ter Tour aus dem Jahr 1862  S 4d

 

 

Der Geesthacht-Stempel

Die Reppenhagensche Bergedorfer Landpost unterhielt in Geesthacht beim Landvogt bereits ein Nebenbureau. Mit dem Übergang der Reppenhagenschen Landpost in die Beiderstädtische Post zum 1.10.1853 ist davon auszugehen, dass dieses Nebenbureau – weiterhin beim Landvogt angesiedelt – in ein Landpostbüro umgewidmet wurde.
Das Landpostbüro war von 1853 bis 1857 im Haus des Vogtes Elten untergebracht, anschließend bis 1861 im Haus des Vogtes Brügmann und danach im Haus des Apothekers Wölfel in der Friedhofstraße 8. Die genannten Personen fungierten jeweils zugleich als Leiter des Geesthachter Landpostbüros.
Das Geesthachter Landpostbüro, das 1856 zur Postexpedition aufgewertet wurde, erhielt bereits 1853 einen Zweikreisstempel (siehe Kapitel Vorphilatelie). Dieser Stempel wurde in Geesthacht als Abgangs- und Entwertungsstempel sowie – rückseitig auf Briefen – als Ankunftsstempel verwendet. Aus der Markenzeit sind ausschließlich schwarze Abschläge dieses Stempels bekannt, die zudem überwiegend schwach ausgeprägt sind. Die meisten bekannten Abschläge befinden sich auf holsteinischen Marken. Auch hier bestand die Möglichkeit der Barfrankierung.

 

 Bgd - SH 9 S 6

Holstein-Marke mit
Geestacht-Stempel S 6 IIc

 

 

 

Die Kirchwerder-Stempel

Die jüngsten Stempel des Bergedorfer Postbezirks sind diejenigen von Kirchwerder. Ein Teil des Dorfes Kirchwerder gehörte zu Hannover; 1852 lebten dort in 58 Wohngebäuden 391 Einwohner. Dieser hannoversche Teil Kirchwerders bildete eine Exklave, die vollständig vom Gebiet Bergedorfs umschlossen war.
Das Postaufkommen von Hannoversch‑Kirchwerder wurde offenbar weitgehend über Bergedorf abgewickelt. Für die weitere Entwicklung war eine Vereinbarung zwischen Hannover und Bergedorf vom 15. Mai 1852 von wesentlicher Bedeutung. Darin wurde festgelegt, dass der gesamte Postverkehr über Hamburg zu führen sei und die Bestimmungen des Deutsch‑Österreichischen Postvereins Anwendung fänden. Dies hatte zur Folge, dass für Postsendungen von und nach dem benachbarten Hannover die höheren Auslandsporti zu entrichten waren. Zudem durfte von Kirchwerder aus nicht das nahe gelegene Winsen angelaufen werden – und umgekehrt. Damit mussten die hannoverschen Einwohner Kirchwerders selbst für innerhannoversche Postsendungen Auslandsporti bezahlen.
Um dem daraus resultierenden Unmut der hannoverschen Bevölkerung Kirchwerders zu begegnen, richtete Hannover Anfang 1866 eine Botenpost nach Kirchwerder ein, allerdings ohne vorherige Absprache mit Bergedorf. Dies führte zu Spannungen, die im Verlauf des Jahres 1866 schließlich in einem Abkommen mündeten. Am 16. August 1866 wurde die Einrichtung einer gemeinsamen Botenpost zwischen Kirchwerder und Winsen an der Luhe vereinbart, und am 16. September 1866 eine gemeinsame bergedorfisch‑hannoversche Postexpedition eröffnet. Aus bergedorfischer Sicht wurde dabei das bisherige Landpostbüro zur Postexpedition erhoben. Posthalter war der Organist Diedrich Meyer; Standort war dessen Haus „Bei der Kirche 542“.
Die gemeinsame bergedorfisch‑hannoversche Postexpedition erhielt zugleich zwei neue Stempel: einen Einkreisstempel „KIRCHWERDER“ mit Datum (ohne Jahresangabe) sowie einen achteckigen Rahmenstempel „Kw:L.P.“ („Kirchwerder: Land‑Post“). Letzterer wurde – ähnlich dem ehemaligen Reppenhagenschen „BLPA“-Stempel – ausschließlich als Nebenstempel für Post von und in das Kirchwerdersche Landgebiet verwendet. Beide Stempel kamen in blauer Farbe zur Anwendung.
Der Einkreisstempel diente sowohl zur Entwertung der Freimarken als auch als Abgangs‑ und Ankunftsstempel.

 

 Bgd - K1 KirchwerderDer Einkreisstempel von Kirchwerder S 9
 Bgd - KwLPDer Kirchwerder Nebenstempel
Kirchwerder Land Post [HKWi] S 10

 

 

Die Nebenstempel des Beiderstädtischen Postamts

Post aus den und in die Landgebiet erhielt zur Kennzeichnung der Herkunft zusätzlich vorderseitig den Stempel ´B.L.P.A.´ der ehemaligen Reppenhagenschen Bergedorfer Landpost als Nebenstempel.

 

 Bgd - BLPA 1863Der Nebenstempel ´B.L.P.A.´, abgeschlagen 1863
sieht abgenutzt aus...
 Bgd - BLPA 1865... Abschlag vom gleichen Gerät aus dem Jahr 1865.
Das Gerät war nicht so abgenutzt wie das obige Bild
zu zeigen scheint.
Es war mehr eine Frage der Verschmutzung 

 

Anfang Juli 1866 wurde zur Kennzeichnung der Post aus den Vierlanden der zweizeilige Ovalstempel ´Aus Vierlanden´ als weiterer Nebenstempel eingeführt. Er diente der Abgrenzung gegenüber der Post aus den Hamburger Marschgebieten. Der Stempel ´B.L.P.A.´ wurde in dieser Zeit ausschließlich zur Kennzeichnung der Post aus den Hamburger Marschgebieten verwendet.

 

 Bgd - Aus VierlandenDer Nebenstempel ´Aus Vierlanden´ S 8

 

 

Zusatzstempel des Beiderstädtischen Postamts

Als Zusatzstempel sind ferner die Stempel ´Recomandirt.´, ´Chargé.´ und ´Auslagen.´ bekannt, die jeweils nur in wenigen Belegen nachgewiesen sind und vermutlich erst 1867 eingeführt wurden. Sämtliche bekannten Belege mit diesen Nebenstempeln datieren aus diesem Jahr.

 

 Bgd - Zusatzstempel
 Die drei Zusatzstempel [Quelle unbekannt] S 11, S 12 und S 13

 

 

Bewertungen

GbbE
S 7Strichstempel, kein Zuschlag---
S 4dTextbogenstempel ab 1.11.1861NN100,-50,-
S 5cTextbogenstempel und Stempel ´B.L.P.A.´ab 1.11.1861200,-100,-
S 6II dZweikreisstempel Geesthacht ab 1.11.1861NN500,-70,-
S 8´Aus Vierlanden´ zweizeilig im Langoval als Nebenstempel3.000,-
S 9Einkreisstempel ´KIRCHWERDER´, Stempelfarbe blau, 16.9.1866 - 31.12.18673.000,-
auf Einzelmarke Zuschlag zum Markenwert1.000,-

G bedeutet auf loser Marke.

 

Bei mit Marken frankierten Briefen im Bereich der Vierlande, die nicht das Beiderstädtische Postamt berührt hat, das den Strichstempel führte, galt die Vorschrift der Tintenkreuzentwertung. Es ist bisher kein echt geprüftes Stück bekannt.

 

b
S 11Zusatzstempel ´Recomandirt.´Bewertumg ausgesetzt
S 12Zusatzstempel ´Chargé.´Bewertumg ausgesetzt
S 13Zusatzstempel ´Auslagen.´Bewertumg ausgesetzt

 

Bis geklärt ist, ob es diese Zusatzstempel auf als echt geprüften Briefen gibt, bleibt die Bewertung ausgesetzt.