1868 Abzug vom Urstein

Jean-Baptiste Moens veranlasste nach eigenen Angaben die Herstellung von etwa 20 Abzügen vom Urstein, den er zusammen mit den Restbeständen der Marken erworben hatte. Ein weiterer, bislang als späterer Abzug bezeichneter Druck ist im eigentlichen Sinn kein Abzug vom Urstein. Da die Abstände und die Ausrichtung der Marken zueinander nicht übereinstimmen, kann es sich nicht um einen direkten Abzug handeln.

 

Die beiden unteren Abbildungen sind so skaliert, dass der Wert zu 4 Schillinge unten links in der Größe bis auf wenige Pixel übereinstimmt; auch die waagerechte Ausrichtung ist identisch. Dennoch ist deutlich erkennbar, dass das rechte Bild, ausgehend von diesem unteren 4-Schillinge-Wert, nach oben hin zunehmend von dem originalen Abzug auf der linken Seite abweicht.

 

Es handelt sich somit um einen Nachdruck nach einem Abzug vom Urstein. Dieser Nachdruck unterscheidet sich vom echten Abzug zudem durch minderwertigeres Papier, eine weniger tiefschwarze Druckfarbe sowie einen insgesamt unsaubereren Druck.
 

 
Bgd - UA
UA, Abzug vom Urstein
Bgd - NaUA
NaUA, Nachdruck vom Abzug vom Urstein
 

1868 Abzug vom Urstein, schwarz auf glattem, weißen Papier, ungummiert.

 

UAoriginaler Abzug Urstein5.000,-
Einzelmarke aus Ursteinabzug400,-
NaUANachdruck vom Abzug vom Urstein, schlechteres Papier, Druckfarbe nicht tiefschwarz, abweichende Zeichnung700,-

 

Die Preisanpassung des NaUA erfolgt aufgrund der Erkenntnis, dass es sich nicht um einen Abzug vom Urstein handelt. Die bei Auktionen erzielten Preise bestätigen die neue Bewertung.

 

 

1868 druck des unverausgabten neuen 4-ScHillinge-Wertes vom Urstein

In diesem Abschnitt wird der 4-Schilling-Wert behandelt, der auf dem Urstein unten links angeordnet ist und im nachfolgenden Bild als Ausschnitt eines Abzugs vom Urstein gezeigt wird.

 

 Bgd - neuer 4 Schilling-Wert 

 

Zur Motivation dieses Markenbild auf dem Urstein gibt Hugo Krötzsch im "Handbuch der Postfreimarkenkunde Altdeutsche Staaten" [Krtz1] Seite 46 Auskunft:

 Es sei hier gleich mit erwähnt, dass im Jahr 1866 die Bergedorfer Postverwaltung in Erfahrung gebracht hatte, dass die von ihr verausgabten Marken in Hamburg gefälscht würden. Die Postverwaltung beschloss daher, neue Markenbilder auszugeben. Fig. 4 veranschaulicht den von Ch. Fuchs gelieferten Entwurf, welcher direkt auf den alten Originalstein ... gezeichnet wurde [Anstelle des kleinen Bild aus dem Krötzsch siehe Bild oben], und die Münzbezeichnung des 4 SCHILLINGE-Wertes in "SCHILLING" (statt bisher "SCHILLINGE") angiebt. Der Entwurf war auch von der Postverwaltung angenommen worden, die Ausführung unterblieb jedoch wegen Ausbruch des preussisch-österreichischen-Krieges. Demnach fällt die Herstellungsperiode dieses Entwurfs in die erste Hälfte des Jahres 1866.
Probedrucke von dem 1866er Entwurfe sind auf weissem Papier nach Moens-Katalog 1893 in folgenden Farben bekannt: grün, grüngelb, blau, rot, orange, und braunviolett. Diese Probedrucke sind jedoch nicht 1866 von Charles Fuchs geliefert, sondern von Moens nach der Erwerbung des Originalsteins [Urstein] im Jahre 1868 in kleiner Auflage veranlasst worden - es sind demnach Essay-Neudrucke, welche Moens in "Le Timbre Poste" 1895, S. 12, I. Spalte (vgl. "Deutsche Brfm.-Ztg." März 1895, S. 81, II. Spalte) in folgenden Ausführungen aufzählt:a) auf weissem chinesischen Papier4 Schilling schwarz,
b) auf glattem, weissen Papier 4 Schilling blau, rot, grün, zinnoberrot, violettbraun.Die kleinen Abweichungen in der Farbbezeichnung dürfte von Moens (a. a. O. O. [an der oben bereits angeführten Stelle]) versehen sein - ein altes ewig wiederkehrendes Übel, welches allenthalben den Farbbezeichnungen anhaftet. Auffällig ist nur, das Fehlen der "grüngelben" Drucke der älteren Aufstellung in der jüngeren Aufzählung.
 

Dabei ist Folgendes zu bedenken: Krötzsch nennt zu diesem Sachverhalt keine weiteren Quellen, und bei den Angaben von Moens ist stets zu berücksichtigen, dass er nicht nur Philatelist, sondern auch Händler war. Auch Karl Knauer, der ein sehr weitreichendes Quellenstudium betrieben hat, fügt hier keine weiteren Erkenntnisse hinzu.Die oben unter a) genannten Drucke werden heute den Abzügen vom Originalstein (UA, Einzelmarke aus Ursteinabzug) zugeordnet.

 

Bgd - Ne68Eg
Zeichnung z3, Ne68Eg *)
Bgd - Ne68Ec
Ne68Ec *)

*) Bildquelle [MPT]

 

Eine eindeutige Bestimmung, ob es sich hierbei um einen Neudruck oder einen Nachdruck handelt, beziehungsweise ob überhaupt ein Essaydruck vorliegt, ist nicht möglich. Gedruckt wurde vom originalen Druckmaterial, ohne Herstellung von Bogen, wodurch der Charakter eines Essaydrucks entsteht. In Anlehnung an Hugo Krötzsch wird daher hier die Bezeichnung Essay-Neudruck übernommen.

 

1868 Essay-Neudruck, neues 3. Bergedorfer Wappenbild, Entwurf Ch. Fuchs Hamburg, gedruckt in Brüssel, in verschiedenen (7) Farben auf graustichigem Papier, ungummiert

 

)W
OO
Ne68E(Paare mit waagerechem Zwischensteg)
aziegelrot80,-250,-
bbraunlila80,-250,-
ckarmin80,-250,-
dgelbgrün80,-250,-
egrün80,-250,-
folivgrau80,-250,-
gblau80,-250,-
Paare mit senkrechtem Zwischenstegje 1.500,-

 

 

1872 Moensscher Korrekturabzug

Auf dem Urstein lautet die Münzbezeichnung für den 1½‑Schillinge‑Wert „SCHILLINGE“, auf den verausgabten Marken hingegen „SCHILLING“. Diese Änderung wurde auf einem Umdruckpapier vorgenommen, sodass auf dem Umdruckstein bereits der Wert „SCHILLING“ war. Hugo Krötzsch widmet der Korrektur der Münzbezeichnung knapp vier Seiten und geht dabei auch auf die vom Händler Jean‑Baptiste Moens beschriebenen Korrekturabzüge ein, von denen Moens angibt, er habe davon etwa 50 Stück übernommen. Auf Seite 41 von [Krtz1] heißt es:

 Die von Moens mit den Restbeständen erworbenen etwa fünfzig Stück 1½ SCHILLINGE‑Marken einzeln oder mit einer 1½ SCHILLING‑Marke (ohne Schluss‑E) zusammenhängend (vgl. S. 41), können nur von den eben angeführten Abzügen stammen und dürften demnach etwa 10 Abzüge dieser halb korrigierten Blocks zur Ansicht und Gutheissung an Paalzow gegangen sein, ... 

 

Karl Knauer setzt sich in seiner Bergedorfer Postgeschichte ausführlich mit dieser Zuschreibung auseinander. Auf Seite 274 von [Knr1] schreibt er:

 Bei der Beschreibung der Umänderung der Münzbezeichnung Schillingein Schilling (ohne Schluß-"e") des 1½ Schillingwrtes weist Krötzsch  (S. 41) auf die an Moens ausgelieferten Zusammendrucke hin. Er selbst hatte kein Original gesehen! Auch mir blieb das bisher leider versagt. Seit 1923 aber - so weit konnte ich es zurückverfolgen - werden ab und zu bis auf den heutigen Tag (!) derartige Stücke angeboten und als Original-Probedruck-Zusammendrucke (1861), Michel Nr. IV, bezeichnet; häufig wird als Beschreibung sogar noch "dickes Papier und dunkelgelbe Farbe" hizugefügt. In keinem der von mir überprüften  8 Fälle handelt es sich aber um ein derartiges Original! Alle trugen sie die Merkmale der von Moens 1872 heausgegebenen Neudrucke, nämlich ein dreieckiges Gebilde am unteren Rand der rechten Hälfte des beiderstädtischen Wappens und die typische Verklecksung der Rundungen des Posthorns ( s. Abb. ) [Bild unten, aber geändert.]. Das Papier war, wie es auch Krötzsch bei der Erörterung dieses sogenannten Neudrucks beschreibt, das Originalpapier der verausgabten 1½- Schillingmarken. 

 

 Kennzeichen auch der 1½ SCHILLING:
Verkleckstes Posthorn und kleines schwarzes
Dreieck unter dem Boden des Wappenturmes
Bgd - Ausschnit Na72MK 1

 

Diese Nachdrucke werden in diesem Katalog als Moenssche Korrekturabzüge bezeichnet. Das für diese Drucke verwendete Papier stammt sehr wahrscheinlich aus den Bogenrändern der von Moens übernommenen Restbestände der Bergedorfer Freimarken. Da dieser Nachdruck die Merkmale des Moensschen Nachdrucks der Freimarken von 1872 trägt, gibt es keinen Grund den Moensschen Korrekturabzug auf früher als 1872 zu datieren.

 

Bgd - Na72MK1
Na72MK 1

1872 Moensscher Korrekturabzug, schwarz auf gelbem Papier der originalen Freimarke zu 1½ Schilling, ungezähnt, gummiert

 

Na72MK 11½ SHILLINGE mit 1½ SCHILLING, waagerechtes Paar schwarz auf hellolivgelb500,-
Na72MK 2beide Marken SHILLINGE, waagerechtes Paar schwarz auf hellolivgelb500,-
Einzelmarke SCHILLING oder SCHILLINGEje 250,-

 

 

Nachdrucke der Freimarken 1872-1888

J.-B. Moens hat Nachdrucke der der Bergedorfer Freimarken in 4 Auflagen erstellen lassen: 1872 (von den Nummern 1a, 2, 3, 4, 5), 1874 (von der Nummer 5), 1887 (von den Nummern 1a, 2, 3, 4, 5) und 1888 (von den Nummern 2 und 4).

Im Handbuchteil werden originale Marken und die Nachdrucke ausführlich beschrieben und die Unterschiede an Bildern aufgezeigt, hier die Links:

Daher beschränkt sich dieser Katalogteil auf die Darstellung der Preise der Nachdrucke. Diese werden heute überwiegend über Online-Auktionshäuser gehandelt. Vergleichsweise selten angeboten werden lediglich die Nachdrucke von 1872; sie sind innerhalb der Nachdrucke tatsächlich seltener und qualitativ höher einzustufen als spätere Ausgaben. Die Aufnahme von Nachdrucken in eine Sammlung sowie die dafür akzeptierten Preise unterliegen der individuellen Entscheidung des Sammlers.

 

 

1872 Erster Nachdruck von Bergedorf 1-5 (ohne 1b) vom Urstein abgenommen; 2. Wappenzeichnung von Bergedorf, ohne die Korrekturen der Originalmarken. Druck in Brüsel,  ungezähnt, ungunmmiert

 

)WV
OOO
Na72 1½ Sch.schwarz auf blau5,-10,-30,-
Na72 21 Sch.schwarz auf gelblichweiß5,-10,-30,-
Na72 31½ Sch.schwarz auf gelb5,-10,-30,-
Na72 43 Sch.dunkelblau auf violett6,-12,-34,-
Na72 54 Sch.schwarz auf rotchamois8,-16,-34,-

 

 

Zusammendrucke

O
Na72 1 LWMarke mit Leerfeld waagerecht20,-
Na72 1 LMarke mit Leerfeld senkrecht10,-
Na72 2 SZPaar mit Zwischensteg60,-
Na72 3 LMarke mit Leerfeld links20,-
Na72 3 KKehrdruckpaar vom linken Bogenrand100,-

 

 

1874 Zweiter Nachdruck von Bergedorf 4 vom Urstein abgenommen; 2. Wappenzeichnung von Bergedorf, ohne die Korrekturen der Originalmarken. Druck in Brüsel,  ungezähnt, ungunmmiert.

 

)WV
OOO
Na74 54 Sch.schwarz auf bräunlichchamois5,-10,-30,-

 

 

1887 Dritter Nachdruck  von Bergedorf 1-5 (ohne 1b) vom Urstein abgenommen; 2. Wappenzeichnung von Bergedorf, ohne die Korrekturen der Originalmarken. Druck in Brüsel,  stärkeres Papier, ungezähnt, ungunmmiert.

 

)WV
OOO
Na87 1½ Sch.schwarz auf lilablau0,50,-1,-2,-
Na87 21 Sch.schwarz auf graublauweiß0,50,-1,-2,-
Na87 31½ Sch.schwarz auf zitronengelb0,50,-1,-2,-
Na87 43 Sch.mattblau auf lebhaftviolett0,50,-1,-2,-
Na87 54 Sch.schwarz auf lebhaftrotchamois0,50,-1,-2,-

 

 

1888 Virter Nachdruck  von Bergedorf 2 und 4 vom Urstein abgenommen; 2. Wappenzeichnung von Bergedorf, ohne die Korrekturen der Originalmarken. Druck in Brüsel, ungezähnt, ungunmmiert.

 

)WV
OOO
Na88 21 Sch.schwarz auf weiß0,50,-1,-2,-

 

 

Zusammendrucke

O
Na88 2 WZPaar mit waagerechtem Zwischensteg4,-
Na88 2 HZHerzstück20,-
Na88 2 SZPaar mit senkrechtem Zwischensteg4,-